Sticken, Vorlagen und mehr!

Sticken und Kreuzstich ist ein Hobby, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten sehr in den Hintergrund gerückt ist. Einigen ist es zu altmodisch, oder zu aufwendig. Anderen dauert es zu lange. Wieder andere haben vielleicht Interesse am Sticken, aber wissen nicht, wo sie es lernen können. Bei einigen dieser Punkte hoffe ich, helfen zu können. Ich werde auf dieser Seite auf einige Grundlagen der Stickerei eingehen und verschiedene Techniken, allen voran den Kreuzstich vorstellen. Außerdem werde ich auf Materialien eingehen, wie Stickgarn, Wolle, und die Stoffe, die zum Sticken benötigt werden. Ich werde auf einige Jahre Erfahrung und einige fertige Stickprojekte zurückblicken und euch so die Auswahl hoffentlich etwas erleichtern können!

Aber zunächst mal: Warum sollte sich jemand für das Sticken entscheiden? Und warum habe ich mich dafür entschieden? Das hat zwei Gründe: Zum einen hat meine Mutter es mir beigebracht, als ich ca. 6 Jahre alt war. Wir haben uns zusammen auf ihr großes, gemütliches Bett gesetzt und zusammen gestickt. Das waren tolle Abende, und wir hatten beide viel Spaß. Wir hatten beide etwas zu tun, wir haben Zeit miteinander verbracht... und auch heute treffen wir uns noch zu gemeinsamen Stickabenden, wenn auch nicht mehr auf ihrem Bett, sondern bei mir zu Hause =)

Wie Kinder so sind, habe ich allerdings eine kleine "Stick-Pause" eingelegt, und habe lange nichts gemacht. Typischer Teenager eben. Sticken ist langweilig! Sticken ist doof! und Sticken ist nur was für alte Leute! Das übliche eben. Erst als ich etwas älter war, und ich nach einem passenden Geschenk für meinen Freund gesucht habe bin ich wieder zurück zum Sticken gekommen. Mein Freund mochte Wölfe. Was liegt näher, als ihm etwas selbst zu machen, was nicht nur von Herzen kommt, selbst gemacht ist, sondern auch professionell aussieht? Und so ist viel Zeit in ein großes Bild mit drei Wölfen geflossen, und es was ein voller Erfolg. "DAS hast du SELBST gemacht?!" fragte er ungläubig. Ja, und dabei ist es (meistens!) nicht einmal schwierig. Es dauert nur eben ein bisschen =)

Ein Wolf im Schnee, gestickt
Noch ein gestickter Wolf =)



Wenn man aber ein wenig Zeit investiert, ist Sticken ein ideales Hobby, was lange Freude bereitet. Es hat einfach Spaß gemacht zu sehen, wie sein eigenens, kleines Projekt Form annimmt. Sei es nun eine kleine Stickpackung, oder gleich ein großer Wandbehang, oder eben ein großes Bild von einer Stickvorlage. Doch auch wenn das Bild schließlich fertig ist, kann man es anschließend immer wieder anschauen. Vor allem bei großen Projekten, an denen man teilweise monatelang arbeitet, verdienen dann einen Ehrenplatz an der Wand, damit sie von allen Besuchern bewundert werden können.

Schaut man sich die verschiedenen Stickpackungen an, wird man schnell feststellen, das für wirklich jeden etwas dabei ist. Kleine Stickbilder für Leute, die wenig Zeit oder Platz haben. Große Vorlagen für jeden, der mehr Zeit ins Hobby investieren möchte. Realistische Darstellungen und Landschaften, abstrakte Bilder, Tierbilder, oder einfach nur Kleinigkeiten zum Besticken - jeder kann in diesem Hobby etwas finden, was ihm gefällt.

Doch man stickt nicht nur für die heimischen 4 Wände - mit Stickerei lassen sich z.B. Grußkarten, Kissen, Tischdecken, und auch Kleidung verzieren, um ihnen eine persönliche Note zu geben. Hier ein kleines Beispiel, an dem ich gerade arbeite:


Kreuzstich Lilie auf Leinen
Lilie auf Leinen gestickt
Das ist ein Foto eines kleinen Passpartouts, welches ich verschenken werde. Ja, das soll mal eine Lilie werden. Gestickt wird auf Leinen mit normalem Sticktwist. Die Stickpackung und die Vorlage ist ein Design namens "Lilie". Solltet ihr Interesse haben, es nachzusticken, könnt ihr es auf der dieser Website von Cornelia Papesch erstehen! Die komplette Stickpackung oder nur die Stickanleitung seht ihr, wenn ihr auf der Seite von ihr weiter nach unten scrollt 😉 Dann könnt ihr auch sehen, wie das fertige Bild mal aussehen soll!

Auch eine Idee: Kleinere Stickbilder und gestickte Karten sind wunderschöne und individuelle Geschenke, ob zu Hochzeiten, Geburtstagen oder anderen Gelegenheiten.Wie man sieht, ist der Kreuzstich, so wie alle anderen Arten wie Crewel-Stickerei ein ideales Hobby für alle, die sich selbst und Andere gerne mit individuellen und vielseitigen Kleinigkeiten verwöhnen! Ich selbst sticke sehr gerne für Andere, denn es macht immer wieder Spaß zu sehen, wie sich die Menschen darüber freuen. Natürlich würde ich nicht jedem ein Stickbild schenken, aber bisher haben sich die beschenkten immer wahnsinnig darüber gefreut. Darunter auch ein Freund, der Kaninchen sehr gerne mag. Obwohl ich, aufgrund von schlechter Planung (das muss ich zugeben...) fast 2 Stunden zu spät zu seiner Geburtstagfeier erschienen bin, ist er fast vom Stuhl gefallen, als ich ihm das kleine, weiße Kaninchen gezeigt habe, das ich für ihn gestickt habe. So macht schenken Spaß😁


Bis vorletztes Jahr war ich ausschließlich im Bereich Kreuzstich unterwegs. Dann habe ich mir zu meinem Geburtstag einen Kurs in Crewel-Embroidery, also Crewel-Stickerei gegönnt. Die Idee dahinter war, die nötige Technik zu erlernen, um meiner Oma zu ihrem 75. Geburtstag ein Geschenk zu machen, dass sie so schnell nicht vergisst. Und ich denke, das ist auch gelungen:

Crewelstickereibeispiel mit Vogel, Blumen und Text
Crewelstickerei mit Gartenmotiven



Das Bild ist auf sehr feinem Leinen gestickt, welches speziell auf Crewel-Stickerei ausgelegt ist. Gestickt habe ich (oder besser, haben wir, denn das ganze war ein Gemeinschaftsprojekt von mir und meiner Mutter) mit Crewel-Wolle und DMC Garn. Wie man unschwer erkennen kann, ist der Stil ein ganz anderer als bei den Stickbildern weiter oben. Die einzelnen Elemente wirken plastischer, da bestimmte Teile des Stickbildes hervorstehen. Durch die Struktur der verwendeten Wolle sind Teile weniger glänzend und bilden einen schönen Kontrast zu den Stellen (z.B. dem Vogel), der mit DMC Garn gestickt wurde und leuchtet. Ich gehe später noch einmal auf die verschiedenen Materialien ein. Wer sich schon einmal vorab informieren möchte, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt:

Hier gehts zum Produkt *

Diese Einführung erklärt anhand von Beispielen und Bildern, wie die grundlegenden Stiche auszuführen sind, und was bei den einzelnen Stichen zu beachten ist. Mir persönlich hat es sehr geholfen, auch weil man durch die Motive eine schöne Inspiration bekommt. Für jemanden wie mich, der leider nur wenig "Farbgefühl" besitzt, ist es praktisch zu sehen, welche Farben und Farbkombinationen in einem Stickbild verwendet werden können. Vorab wird auch das Material, wie die bestimmten Nadeln, Garne und Stoffe kurz erläutert. Auch wer wenig bis kein Englisch versteht, kann auf die Bilder und die Skizzen schauen, und so trotzdem schnell die verschiedenen Stiche nachvollziehen.

Die Schrift in dem Bild ist in Steppstich gearbeitet und wurde vorher mit einem wasserlöslichen Stift auf den Stoff geschrieben. Die Vorbereitung allein, also das Abpauschen der Vorlagen aus unserem Buch, das Vorschreiben der Schrift auf Seidenpapier, und das anschließende Übertragen auf den Stoff selbst, hat einige Stunden gedauert. Die Arbeit an dem Bild selbst, das Sticken und das anschließende Rahmen, hat gut und gerne 8 Monate gedauert. Allerdings muss man dazusagen, dass ich "nebenbei" auch noch eine Bachelorarbeit geschrieben habe. Mit der Planung des gesamten Bildes und der ersten Skizze habe ich im Dezember 2015 begonnen. Das fertige Bild haben wir im September 2016 übergeben. Eine lange Zeit, aber es hat sich definitiv gelohnt!

Die Vorbereitung des Stickbildes



Ganz egal, wie viel Zeit man in sein Hobby investieren kann und möchte, stehen einem also alle Türen offen. Als Anfänger sollte man eventuell klein anfangen, um die Technik zu erlernen und schnell Fortschritte zu erzielen (ein Rat, an den ich mich selbst nie gehalten habe). Ich persönlich sticke am liebsten große Projekte, da mich die Herausforderung reizt, und ich nicht gerne alle paar Wochen etwas Neues anfangen möchte. Der einfache Grund ist, dass ich zunächst das Bild mit einem Faden Nähgarn umrande, um es grob einzuteilen. Ich finde das einfach langweilig und Zeitaufwendig, allerdings hilft es tatsächlich SEHR, da man später ganz einfach und ohne Probleme bestimmte Stellen und vor allem die Mitte im Bild wiederfindet. Ich verzichte auf sowas lediglich bei ganz kleinen Projekten, wie z.B. bei meiner kleinen Lilie. Da habe ich einfach fröhlich drauf losgestickt, nachdem ich den Stoff gefaltet habe, um die Mitte zu finden. Bei größeren Stickbildern ist dies jedoch unpraktisch, es kann immer sein, dass man sich verzählt! Dies sieht man viel schneller, wenn bereits eine Umrandung da ist, an der man sich orientieren kann.

Die Vorbereitung eines Stick-Projekts ist wichtig und kann einem langfristig viel Zeit ersparen. Die Arbeitsfläche auf dem Stoff abstecken, das Garn sortieren und entwirren und eine "Arbeitskopie" der Chart vorbereiten - das alles hilft, später Verwirrung und Fehler zu vermeiden. Außerdem kann man auf seiner Arbeitskopie auch seinen Fortschritt mit einem Textmarker festhalten, und weiß so stets, wo man gerade war, auch nach längerer Pause. Es lohnt sich also, etwas Zeit in die Vorbereitung zu investieren. Und ja, obwohl ich das weiß, finde ich es trotzdem relativ langweilig. So bin ich eben.

Eine kurze Erklärung, was ich mit "Arbeitskopie" meine: Ich arbeite niemals mit dem Original einer Stickvorlage. Es kann immer vorkommen, dass ein Getränk verschüttet wird, oder man sich vertut, und dann ist die einzige Vorlage weg. Daher kopiere ich sie mir, und verwahre das Original an einem sicheren Ort. Das heißt NICHT, dass ich diese dann weitergebe. Es hat einen guten Grund, dass diese Vorlagen niemals einfach so weitergegeben werden dürfen! Es steckt sehr viel Arbeit darin, und da ich selbst bereits an einem großen Projekt gearbeitet habe, weiß ich, wie viel Zeit und Gedult es kostet, diese Charts zu entwerfen. Bitte, lieber Leser: würdige diese Arbeit! Daher werde ich hier auch niemals Vorlagen hochladen oder weitergeben, außer, sie sind bereits kostenlos verfügbar, oder ich habe sie selbst entworfen.

Nachdem jetzt der Stoff sowie das Garn vorbereitet sind, benötigt man noch Sticknadeln und eine scharfe, spitze Handarbeitsschere. Diese gibt es in allen Preisklassen, ich glaube ich habe für meine Schere für 12€ erstanden. Und die halten auch ewig, sofern man sich an die goldene Regel hält, sie wirklich NUR zum Sticken zu verwenden und nicht "eben mal die Plastikverpackung" damit aufschneidet. Ansonsten hat man sehr lange was davon. Sticknadeln erhält man überall... Ich habe inzwischen eine riesiege Sammlung von Nadeln aller größen, da sie immer in den Stickpackungen enthalten sind, und ich es (im Gegensatz zu meiner Mutter) noch nie geschafft habe, eine Nadel zu zerbrechen. Natürlich kann das passieren, aber bisher hatte ich Glück.

So, vielmehr braucht man eigentlich nicht. Also, wenn man einen vernünftigen Arbeitsplatz hat. Der Platz sollte hell genug sein, damit man genau arbeiten kann ohne die Augen zu sehr zu belasten - sonst bekommt man schnell Kopfschmerzen. Es gibt verschiedene Lichtquellen, unter anderem spezielle Lampen, von denen einige auch mit einer Lupe ausgestattet sind. Ich selbst verwende eine solche Lampe, da man sie äußerst flexibel einstellen kann, und das Licht immer aus der Richtung kommt, aus der ich es haben möchte.

 Außerdem kann man sich praktische Stickrahmen besorgen. Damit ist es einfacher, den Stoff während der Arbeit in der Hand, und vor allem auf Spannung zu halten. Dadurch werden die Stiche regelmäßiger, und es macht die Arbeit sehr viel einfacher. Sie sind in verschiedenen Größen erhältlich, und eignen sich so für Projekte aller Art und Größe. Alles in Allem machen sie die Arbeit sehr viel einfacher. Runde Rahmen aus Plastik sind meiner Meinung nach am Besten, da es einfacher ist, den Stoff zu spannen. Das, oder die Holzrahmen die ich habe, sind einfach zu rau. Man sollte außerdem das Stickbild aus dem Rahmen nehmen, damit keine häßlichen Flecken auf dem Stoff entstehen. Diese Flecken können später nur noch schwer ausgewaschen werden. Später werde ich auch noch auf andere Arten von Rahmen eingehen, aber für Anfänger eignen sich Rundrahmen am besten, da sie günstig und einfach zu verwenden sind.





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